Die Santschi Holzbau GmbH aus Uetendorf gewinnt den 9. Berner KMU Award. Der Familienbetrieb mit 20 Mitarbeitenden hat das Online-Voting für sich entschieden. Ausgezeichnet wird ein Lehrbetrieb, der zwei ehemalige Lernende an die Weltspitze gebracht hat. Vizepräsidentin Sandra Hess übergab den Preis am 14. Oktober 2026 an der Herbst-Delegiertenversammlung von Berner KMU im Lötschbergsaal in Spiez.
Was ein alter Hobel erzählt
Daniel Santschi kam mit einem alten Hobel auf die Bühne. Die drei Nominierten waren gebeten worden, einen Gegenstand mitzubringen, der etwas über ihren Betrieb erzählt. Der Zimmermannsberuf gehöre zu den ältesten der Welt, sagte Santschi. Mit dem Hobel werde aus einem alten Brett etwas Schönes. Genauso sei es mit den Lernenden, die als junge Menschen in den Betrieb kommen und dort mit der Zeit zu Berufsleuten ausgebildet werden.
Medaillen aus der eigenen Werkstatt
Wie gut das gelingt, zeigen zwei Namen. Stefan Oppliger wurde 2013 Vizeweltmeister der Zimmerleute. Elf Jahre später holte Michael Bieri an den WorldSkills in Lyon Gold. Beide haben bei Santschi ihre Lehre gemacht und sind dem Betrieb bis heute treu geblieben. In ihrer Laudatio nannte Sandra Hess die Ausbildung bei Santschi deshalb Chefsache. Daniel Santschi, der die Firma mit seinem Bruder Roland führt, nimmt sich viel Zeit für seine Lernenden. Gerade in einem kleinen Betrieb, wo jede Stunde zählt, ist das keine Selbstverständlichkeit.
Gelernt wird bei Santschi in der ganzen Breite des Handwerks. Der Betrieb baut neu, stockt auf und saniert. Er stellt jahrhundertealte Bauteile für die Denkmalpflege wieder her und fertigt Accessoires aus Altholz. Jeder im Team soll alles können. Das sei Absicht, erklärte Santschi im Gespräch auf der Bühne, denn so laufe die Arbeit weiter, wenn einmal jemand ausfalle.
«Santschi Holzbau zeigt, was ein kleiner Betrieb leisten kann, wenn er sich Zeit für seine Lernenden nimmt», sagte Hess. «Zwei Weltmeisterschaftsmedaillen aus einem Betrieb mit 20 Mitarbeitenden sind ein starkes Zeichen für die Berufsbildung im Kanton Bern.»
Geduld, Vertrauen und Menschen
Mit dem Sieg hatte Santschi nicht gerechnet. «Wir hätten es nie gedacht», sagte er, als er den Preis entgegennahm. Der Award gehöre dem ganzen Team. Besonders dankte er den Berufsbildnern, die sich auch dann Zeit für Fragen nehmen, wenn es auf der Baustelle hektisch wird und man die Arbeit schneller selbst erledigen würde. «Eine gute Ausbildung braucht mehr als einen Lehrvertrag. Sie braucht Geduld, Vertrauen und Menschen, die ihr Wissen gerne weitergeben.» Seine Lernenden sollen früh Verantwortung übernehmen. Und sie sollen wissen, dass jemand da ist, wenn sie Hilfe brauchen. Den Hobel hatte er auch für diesen Moment dabei. Er erinnere daran, dass gutes Handwerk Zeit, Gespür und Übung brauche.
Rückhalt aus Uetendorf
Hinter dem Sieg steht auch der Gewerbeverein Uetendorf. Santschi dankte dem Gewerbeverein Uetendorf mit Präsident Manuel Jenni sowie Rolf Stäheli, Co-Präsident des Landesteilverbands Region Thun. Wer ein Online-Voting gewinnen will, braucht Menschen, die mitziehen. Das hob auch Sandra Hess hervor. Mit dem Gewerbeverein stehe ein starker Verein hinter Santschi, den der Betrieb seinerseits tatkräftig unterstütze. Bei der Übergabe stand Manuel Jenni zusammen mit Daniel Santschi und Michael Bieri auf der Bühne. Schon zur Nomination hatte er den Betrieb gewürdigt. «Santschi Holzbau repräsentiert alles, was unser Gewerbe auszeichnet», sagte Jenni damals. «Ein erfolgreicher Familienbetrieb mit fast 40 Jahren Erfahrung, 20 engagierten Mitarbeitenden und einer vorbildlichen Ausbildungskultur.»
Röster und Käser auf Augenhöhe
Leicht machten es die anderen beiden Nominierten Santschi nicht. Auch sie hatten etwas mitgebracht. Marc Käppeli von der Blaser Café AG zeigte Pellets aus den Silberhäutchen, die sich beim Rösten von der Bohne lösen. Sie sind das einzige Abfallprodukt der Rösterei, ein Teil davon geht heute in eine Biogasanlage. Blaser Café AG röstet seit 1922 in Bern und ist bis heute in Familienbesitz. Käppeli gehört zur vierten Generation und führt den operativen Betrieb seit 2006, während die fünfte bereits mitarbeitet. Den Rohkaffee kauft die Schwesterfirma Blaser Trading AG weltweit direkt ein. Als Familienbetrieb, sagte Käppeli, entscheide man emotionaler und direkter.
Michael Spycher von der Fritzenhaus Chäsi AG hielt den Pokal seines ersten Weltmeistertitels in der Hand. 2008 hatte er am World Championship Cheese Contest in den USA ohne grosse Ambitionen einen Käse eingeschickt und gewonnen. Drei weitere Titel folgten 2020, 2022 und 2024. Öfter hat kein Käser der Welt gewonnen. Mit seiner Frau Monika führt er die Bergkäserei Fritzenhaus in Sumiswald seit 2001. Jedes Jahr verarbeiten die beiden 1,6 Millionen Kilogramm Milch aus der Umgebung. Wie weit der Ruf reicht, zeigt eine Anekdote. Ein ehemaliger US-Botschafter fuhr als letzte Amtshandlung noch rasch vor seiner Abreise ins Fritzenhaus, um Käse zu kaufen. Seit Tochter Anita als Käsemeisterin mitarbeitet, kann Spycher Verantwortung abgeben.
Ein Holzbauer gratuliert dem anderen
Präsident Ernst Kühni freute der Entscheid besonders. «Ich bin auch Holzbauer, das freut mich natürlich sehr», sagte er im Schlusswort. Für die beiden anderen Betriebe tue es ihm aber weh. Alle drei stünden für Unternehmen, die mehr leisten, als man von ihnen verlangt. Blaser Café AG und die Fritzenhaus Chäsi AG erhielten als Zeichen ihrer Nomination einen Aufsteller für ihre Betrieb. Santschi lud danach alle ein, den Sieg gemeinsam zu feiern. Mit Kaffee und Käse, versteht sich.
Was an der Herbst-Delegiertenversammlung 2026 in Spiez sonst auf der Traktandenliste stand, lesen Sie im Bericht zur Versammlung.



