Die Zukunft der Berufswahl: Ein digitaler Leuchtturm im Kanton Bern

Wie finden Jugendliche heute zum passenden Beruf? Während klassische Broschüren oft ungelesen liegen bleiben, geht ein neues Berner Projekt einen anderen Weg: Es bringt die Berufsorientierung dorthin, wo die Zielgruppe ohnehin ist – auf WhatsApp. Mit dem KI-gestützten Chatbot «Di Bruef» lanciert ein Berner Dreiergespann ein digitales Werkzeug für die duale Berufsbildung.

KI-Berufwahl auf WhatsApp?

Wenn Erwartung und Realität auseinanderlaufen

Die Zahlen sind eindeutig: Knapp ein Viertel (24,3 %) aller Lehrverhältnisse in der Schweiz werden vorzeitig aufgelöst. Hinter dieser Zahl des Bundesamts für Statistik stehen drei Hauptursachen:

  • Eine unzureichende Passung zwischen Lernenden und Ausbildungsberuf – fehlendes Interesse oder falsche Vorstellungen vom Berufsalltag.
  • Eine Überforderung durch schulische oder betriebliche Anforderungen – meist als Folge einer ungenügenden Auseinandersetzung mit dem Beruf in der Phase der Berufswahl.
  • Eine unvollständige Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten. Eine aktuelle Untersuchung des Swiss Leading House «Economics of Education» zeigt: Wer die eigenen Stärken und Schwächen schlecht kennt, wählt häufiger einen Beruf, der nicht zu ihm passt – und löst seine Lehre häufiger vorzeitig auf.

Hier setzt «Di Bruef» an. Das Projekt soll den «Mismatch» bei der Berufswahl reduzieren, indem es Jugendlichen Berufsinformationen in einem Format zur Verfügung stellt, dass ihrem Kommunikationsverhalten entspricht.

Berufsorientierung im Chat – rund um die Uhr

Das Konzept ist bewusst niederschwellig. Über WhatsApp – den meistgenutzten Kommunikationskanal der Zielgruppe – erreichen Jugendliche «Di Bruef» unter der Nummer +41 79 198 80 80. Der Chatbot beantwortet Fragen wie «Was macht eine Konstrukteurin?» oder «Welche Berufe könnten zu mir passen?» und führt durch ein dialogisches Frage-Antwort-Spiel, das die Jugendlichen dabei unterstützt, ihre Interessen zu sortieren und passende Berufe zu entdecken.
Inhaltliche Grundlage des Bots ist das Berufslexikon Berufe A–Z von gateway.one – die grösste privatwirtschaftliche Sammlung praxisnaher Berufsbeschreibungen der Schweiz. Über 1’000 Berufsbilder, davon 294 EFZ/EBA-Berufe, stehen damit zur Verfügung. Geplant ist zudem die Anzeige konkreter Schnupperangebote und Ausbildungsplätze in der Region der Nutzerinnen und Nutzer.

Drei Partner – ein gemeinsames Ziel

Hinter «Di Bruef» steht ein Berner Konsortium:

  • Der Gewerbeverband Berner KMU bringt als Trägerschaft sein Netzwerk in der regionalen Wirtschaft ein und verbindet das Projekt mit den Bedürfnissen der Ausbildungsbetriebe.
  • gateway.one – führender Schweizer Anbieter für berufsbezogene Eignungsdiagnostik mit 30 Jahren Erfahrung – verantwortet die Inhalte und stellt mit «Berufe A–Z» und seinen Diagnostik-Instrumenten das fachliche Rückgrat.
  • Die BEGASOFT AG verantwortet die technische Umsetzung und unterstützt als innovatives Berner Unternehmen Kunden und Partner bei der Entwicklung moderner digitaler Lösungen. Die Lösung wird in der Schweiz betrieben und erfüllt hohe Anforderungen an Datenschutz und Informationssicherheit, unter anderem basierend auf anerkannten Standards wie ISO 27001 und ISAE 3000 Type 2. Dem Schutz der Daten von Jugendlichen wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Nutzen für Jugendliche, Eltern und KMU

Der Rollout ist für Ende Mai 2026 geplant. Der Nutzen ist mehrschichtig: Jugendliche erhalten einen niederschwelligen Einstieg in ihre Berufswahl. Eltern und Lehrpersonen bekommen ein zusätzliches Werkzeug an die Hand, um den Berufswahlprozess zu begleiten. Und für lokale KMU steigt die Sichtbarkeit ihrer Ausbildungsplätze – dort, wo die Jugendlichen ohnehin unterwegs sind.

«Innovation entsteht, wenn man neue Wege geht – und wenn die Inhalte dahinter stimmen», fassen die Initianten ihren Anspruch zusammen. Die Entwicklung des Bots erfolgt in enger Abstimmung zwischen technischem und inhaltlichem Team, mit umfassenden Qualitätsprüfungen vor dem öffentlichen Start.

Mitwirken willkommen

«Di Bruef» wird kontinuierlich weiterentwickelt. Lehrbetriebe, Branchenverbände und Sponsoren, die das Projekt unterstützen oder ihre Ausbildungsplätze sichtbar machen möchten, sind herzlich eingeladen, mit uns Kontakt aufzunehmen.

Kontakt & Information
Gewerbeverband Berner KMU, Jürg Graf
E-Mail: juerg.graf@bernerkmu.ch | Telefon: 034 420 65 65
WhatsApp-Chat «Di Bruef»: +41 79 198 80 80