Rund 100 Unternehmerinnen und Unternehmer, Grossräte und Gemeindevertreter diskutierten am 7. Mai 2026 in Ostermundigen über öffentliche Ausschreibungen. Als der Gewerbeverband Berner KMU ins Publikum fragte, welche Gewerbetreibende schon einmal wegen unverhältnismässigem Aufwand auf eine Offerte verzichtet hatten, streckten die meisten die Hand auf.
KMU on Tour: 140 Seiten für eine Woche Arbeit
Für Berner KMU ist klar, und Manuela Blum von der Gürbetaler Storenbau GmbH belegt es. Wenn eine Storenbauerin für eine Offerte eine Rechtsabteilung braucht, läuft etwas falsch. Das schwächt die regionale Wirtschaft: weniger Aufträge, weniger Arbeitsplätze, weniger Ausbildungsplätze. Für ein einzelnes Submissionsverfahren hatte sie 140 Seiten Vertragswesen zu bewältigen – für einen Auftrag, der rund eine Woche Arbeit bedeutet hätte, «daily business», wie sie sagt. Aus diesem Grund reichte sie keine Offerte ein. «Das muss doch einfacher gehen. 140 Seiten für eine Woche Arbeit sind nicht verhältnismässig.»

In der Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe «KMU on Tour» zeigte sich, dass Gemeinden und Gewerbe ähnliche Ziele verfolgen. Thomas Iten, Gemeindepräsident von Ostermundigen, plädierte für klare Spielregeln. Wer nach welchen Kriterien bewertet wird, soll schon vor der Ausschreibung bekannt sein. Den rechtlichen Spielraum will er so weit wie möglich im Interesse lokaler Gewerbebetriebe nutzen. Daniel Bichsel, Präsident des Verbands Bernischer Gemeinden, forderte KMU auf, ihren regionalen Mehrwert bei Ausschreibungen aktiv sichtbar zu machen. Sein Appell: «Wer die Spielregeln ändern will, engagiert sich politisch.»

Alle drei Podiumsteilnehmenden waren sich einig. Der Handlungsspielraum ist vorhanden, er muss genutzt werden. Berner KMU wird sich dafür einsetzen, dass öffentliche Ausschreibungen KMU-freundlich gestaltet werden und der vorhandene Spielraum zugunsten des Gewerbes maximal ausgeschöpft wird.



