KMU on Tour «Sicherheit: Auftrag oder Wettbewerb?»

Am 31. Oktober 2025 lud Berner KMU im Rahmen der Kampagne «Fair ist anders» zu einem Podium im Raiffeisen Forum Bern ein. Diskutiert wurden die obligatorische Unfallversicherung, die Rolle der Suva und die Abgrenzung zwischen staatlichen und privaten Versicherern. Die Kampagne zeigt seit 2017, wo öffentliche Unternehmen ihre besondere Stellung und Marktmacht nutzen, um mit neuen Angeboten in Konkurrenz zu KMU zu treten und damit einen unfairen Wettbewerb schaffen.

Direktor Lars Guggisberg eröffnete den Anlass mit einem Rückblick auf die Kampagne und der Einordnung des Themas. Im Zentrum stand der Fall der X-Light GmbH aus Zollikofen. Geschäftsführer Stefan Merki schilderte, wie sein Unternehmen bei der obligatorischen Unfallversicherung in die Suva-Unterstellung eingestuft wurde, obwohl es sich aus seiner Sicht um einen Dienstleistungsbetrieb ausserhalb des Bau- und Installationsgewerbes handelt. Für die X-Light GmbH, die jährlich rund 75 Events, 250 Abholmieten und mehrere Festinstallationen betreut, führt diese Einordnung zu Unsicherheiten im täglichen Betrieb.

Berner KMU Direktor Lars Guggisberg begrüsste das Publikum

Merki machte deutlich, dass aus seiner Sicht für die Veranstaltungs- und Bühnentechnik grundlegende sicherheitsrelevante Vorgaben im Rahmen der Suva fehlen. Wenn seine Branche der Suva unterstellt sein soll, brauche es zuerst ein spezifisches Regelwerk, das die tatsächlichen Anforderungen und Abläufe im Eventbereich abbildet. Die heutigen Unterlagen würden diese Praxis noch nicht ausreichend berücksichtigen.

Isabel Stucki-Mauderli, stellvertretende Generalsekretärin und Bereichsleiterin Public Affairs der Suva, erläuterte im Anschluss die Sicht der Suva. Sie erklärte, wie der gesetzlich vorgegebene Prozess der Unterstellung funktioniert und welche Kriterien bei der Einordnung eines Betriebs angewendet werden. Zugleich betonte sie das Interesse der Suva, Sicherheitsrichtlinien gemeinsam mit den betroffenen Branchen weiterzuentwickeln. Stucki-Mauderli verwies auf erfolgreiche Kooperationen mit Branchenverbänden und unterstrich die Bereitschaft der Suva, auch für den Bereich der Veranstaltungs- und Bühnentechnik gemeinsam mit den Fachleuten an klaren, praxistauglichen Vorgaben zu arbeiten.

In der anschliessenden Diskussion tauschten sich die Referierenden gemeinsam mit Belinda Walther Weger, Leiterin Public Affairs und Nachhaltigkeit, Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung,  von der Mobiliar über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen staatlicher und privater Unfallversicherung aus. Im Zentrum stand die Frage, wie Kundinnen und Kunden begleitet werden und wie sich die jeweiligen Systeme auf den Betriebsalltag von KMU auswirken.

Im Zentrum sollen die Kunden stehen

Die Teilnehmenden betonten, dass für beide Seiten die Kundenzentrierung im Vordergrund steht, auch wenn die Ausgangslagen unterschiedlich sind: Während private Versicherer stärker individualisierte Angebote entwickeln können, arbeitet die Suva aufgrund ihres gesetzlichen Auftrags mit höheren Standardisierungen. Beide Systeme verfolgen das Ziel, die Betriebe verlässlich zu unterstützen. Aus Sicht der KMU sei entscheidend, dass ein Wechsel oder eine Einordnung möglichst wenig spürbare Auswirkungen habe und die Abläufe für die Unternehmen verständlich bleiben.

Die Diskussion zeigte, dass die Thematik komplex ist und an verschiedenen Schnittstellen Herausforderungen entstehen können. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sowohl staatliche als auch private Versicherungen daran arbeiten, Prozesse weiterzuentwickeln und gemeinsam mit den Branchen praxistaugliche Lösungen zu finden.

Der Anlass zeigte, wie wichtig klare Abläufe für KMU sind und dass der Austausch zwischen den Akteuren weitergeführt wird. Berner KMU führt die Kampagne «Fair ist anders» auch 2026 weiter und organisiert zwei «KMU on Tour»-Anlässe.